Wie verändere ich die Welt?

Ach, ist unser Leben nicht nur ein Wimpernschlag in der Geschichte des Universums? Oder wie Felix Blume (besser bekannt als Kollegah) in „Sommer“ singt: „Was sind 70 Jahre Lebenszeit verglichen mit der Ewigkeit?“ Wenn man so darüber nachdenkt, kann einem das menschliche Dasein ganz schön unbedeutend vorkommen und man gelangt schnell dazu zu behaupten, dass alles, was man in einer Lebenszeit bewirken könnte, belanglos sei. Sehr ähnlich ist die Meinung, dass die Bemühungen eines einzelnen bei 7 Milliarden Menschen ein Tropfen auf dem heißen Stein sind und keinen Unterschied machen. Wie sonst entsteht aber Veränderung in der Welt und wie können wir sie beeinflussen? Darum soll es in diesem Beitrag gehen.

Steter Tropfen höhlt den Stein

So, es ist also in doppeltem Sinne egal was ich tue, denn im Vergleich zu 7 Mrd. anderen Menschen und im Vergleich 13 Mrd Jahren Universum wiegt ein Lebensjahr von mir nur im Verhältnis 1 : 20.000.000.000. Wenn aber mein Leben praktisch keine Auswirkungen hat, hat das meines nächsten aber doch auch keine Auswirkungen. Und das gilt doch für alle 7 Milliarden Menschen. Aber sind die Entscheidungen von 7 Mrd. Menschen unrelevant? Wohl eher nicht. Aber jedes einzelne wohl irgendwie doch. Wie passt das denn zusammen und woher kommt denn jetzt die Veränderung?

Nun dazu ein kleines Gedankenexperiment. Angenommen ich möchte tausend neue Vokabeln lernen. Wenn ich mir jetzt alle tausend Vokablen ein Mal anschaue, werde ich fast nichts gelernt haben. Zumindest quasi nichts, denn die handvoll Vokabeln, die ich mir behalten habe, sind nichts im Vergleich zu den tausend, die ich lernen muss. Wenn ich mich aber jeden Tag hinsetzte und die Vokablen lerne, werde ich nach einiger Zeit – auch wenn es Jahre dauert – die Vokabeln können. Tausend Vokabeln lernen ist also eine schwere Sache, die ich mit ein Mal anschauen niemals erreiche, sondern nur mit viel Mühe und täglichem Wiederholen bewältigen kann.

Genauso verhält es sich mit der Veränderung. Wenn ich mich ein Mal hinsetze und die Welt verändern will, ist es unmöglich. Wenn ich aber jeden Tag meine Handlungen daran ausrichte, was ich verändern möchte, werde ich mit der Zeit deutlich größere Erfolge erzielen, als ich je gedacht hätte. Ich meine, es ist doch beachtlich, was Menschen alles in einem Leben erreichen. Wieviel wissen sie anhäufen, wieviel Lebenserfahrung sie sammeln, wieviele Geschichten sie erzählen können und wieviel BIP sie generieren. Doch da ein Leben ja kontinuierlich verläuft, fällt uns der enorme Unterschied zwischen Frischgeborenem und einem Menschen am Höhepunkt seines Lebens nicht auf. Es ist bestimmt vielen schon aufgefallen, dass man die Veränderung von Menschen, die man täglich sieht, kaum wahrnimmt. Nur in seltenen Momenten, z.B. wenn man sich Fotos aus der Kindheit anschaut oder jemanden nach langen Jahren wiedertrifft, fällt uns auf, wie sehr wir uns verändern.

Noch unauffälliger ist die Veränderung, die wir bei anderen Menschen hervorrufen, obwohl dafür dieselben Regeln gelten. Jedes Kind weiß, dass wenn es die Eltern oft genug mit einem Wunsch nervt, sie irgendwann nachgeben werden. Dieser Fall ist das bewusste hinarbeiten auf ein Ziel, aber unser Leben lang wirken wir unbewusst auf Menschen ein mit unseren Wünschen, Ideen und unserem Verhalten. Jede Form von sozialer Interaktion ruft irgendeine – wenn auch noch so geringe – gegenseitige Beeinflussung hervor. Natürlich hat also auch ein ganzes Leben in Summe einen enormen Effekt, den wir nicht unterschätzen dürfen, auch wenn er uns oft so gering erscheint.

Veränderung und die Gesellschaft

Nach diesem Plädoyer für bewusst getroffene Entscheidungen, möchte ich noch eine Sache zu dem großen und undgreifbaren Wesen, das sich hinter dem Wort Gesellschaft verbirgt, loswerden. Man redet oft von „der Gesellschaft“ und dem „Verhältnis des Individuums zur Gesellschaft“, von gesellschaftlichem Druck, gesellschaftlichen Werten und vielem mehr. Aber was ist diese Gesellschaft überhaupt? Die Gesellschaft sind wir alle. Aber keiner von uns alleine. Ich bin nicht die Gesellschaft, du auch nicht. Aber alle Deutschen, das ist eine Gesellschaft, obwohl kein Deutscher alleine die Gesellschaft ist. Das ist doch paradox. Und noch paradoxer ist es von dem Individuum und der Gesellschaft zu reden, denn die Gesellschaft ist nichts anderes als eine Summe von Menschen (s.a. www.wikipedia.org/Gesellschaft). Jeder von uns ist also ein Teil einer Gesellschaft, da die Gesellschaft nichts anderes ist als die Summe von vielen Menschen. Wenn es nun gesellschaftliche Normen oder gesellschaftlichen Druck gibt, dann heißt das, dass es Werte und Normen gibt, die ein Großteil dieser Menschen teilt und von anderen erwartet. Das heißt, dass ich, du und viele andere etwas denken, von etwas überzeugt sind und auf eine gewisse Art und Weise mit unseren Mitmenschen umgehen. Was ich damit sagen will, ist, dass Gesellschaft nicht irgendwo an einem fernen, abstrakten Ort stattfindet, sondern vor der Haustür eines jeden von uns.

Veränderung in der Gesellschaft

So, wenn man das nun in Verbindung mit den Überlegungen über Veränderung bringt, ergibt sich, dass jeder einzelne von uns die Gesellschaft aktiv beeinflusst, und zwar durch jede seine Handlungen. Summiert man diesen Einfluss eines Menschen über ein Leben und die Anzahl seiner Handlungen auf, fällt auf, dass schon ein einzelner Mensch viel bewirken kann und die Gesellschaft aktiv mitgestalten kann. Die zwei Punkte auf die ich hier also hinaus will, ist, erstens, dass wir etwas bewirken können, weil wir einen großen Einfluss haben – auch wenn uns das nicht immer so bewusst ist. Und, zweitens, dass wir diesen Einfluss nutzen sollten, um Gutes zu tun. Kein Mensch ist perfekt, jeder tut einmal etwas, was nicht gut ist, aber wir sollten nie schlechtes Verhalten damit rechtfertigen, dass es, wenn es auf einen eingeschränkten Kreis begrenzt ist, keine weiteren Auswirkungen auf die Welt hätte. Im Gegenteil, ich finde wir sollten gerade deshalb uns besser verhalten und öfters überprüfen, ob unsere Verhaltensweisen für andere gut sind, weil sie eben solch eine Aussagekraft und Wirksamkeit haben. Um es mit Mahatma Gandhi zu sagen: „Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt“. Genau dasselbe sagt Kant mit seinem kategorischen Imperativ.

Aber ganz egal, wer das gesagt hat. Aus den vorigen Überlegungen folgt meines Erachtens eine viel größere Verantwortung des Einzelnen für seine Taten. Und daraus erwächst eine Verpflichtung für einen jeden, seine Entscheidungen bewusst zu treffen und sich ihrere Konsequenzen bewusst zu sein, weil wir allein mit unseren Entscheidungen, das gestalten, was sich in Form von anderen Menschen auf uns zurückspiegelt.

Philosophie und die sekundäre Lebensdimension

Beim Schreiben des „Über mich“-Teils habe ich darüber nachgedacht, was philosophieren für mich eigentlich heißt, und was es eigentlich bringt. Da ich dafür aber nicht zu weit ausholen wollte, möchte ich mich hier der Fragestellung in einem eigenen Beitrag widmen.

Was ist Philosophie?

Philosophie, wie man sie aus Büchern kennt, wird meist in zwei Arten unterschieden: historische und systematische. Die historische Philosophie versucht Werke von Philosophen zu lesen, um deren Gedanken so gut es geht zu rekonstruieren und sie in den Kontext ihrer Epoche einzuordnen. Die systematische Philosophie hingegen betrachtet ein Thema (bspw. Glück) und untersucht Positionen verschiedener Philosophen dazu, um schließlich deren Argumente gegeneinander abzuwägen.

Meines Erachtens gehört die historische Philosophie so sehr zu Philosophie wie historische Musikwissenschaft zu Musik. Natürlich hat jede Disziplin eine Historie, die betrachtet werden kann, aber von der Methodik betrachtet handelt es sich um reine Geschichtswissenschaft.

Systematische Philosophie ist das, was ich unter Philosophie verstehe, da es die Methode des Argumentierens verwendet, um Wahrheit zu erkennen. Dennoch ist die Praxis der Philosophie sehr stark von der Philologie durchdrungen, weshalb ich lieber vom Philosophieren spreche, um klar zu verbalisieren, dass es mir um den Akt des Nachdenkens geht und nicht um das Lesen von philosophischen Werken.

Aber zurück zur Frage: Was ist Philosophie(ren)?

Ich habe in „Über mich“ geschrieben, dass Philosophie bedeutet, die Welt mit den Augen eines Kindes zu betrachten. Aber das trifft es vielleicht nicht ganz. Denn ich setze mich ja nicht hin, versuche all mein Wissen auszublenden und denke über irgendwelche Dinge nach, um so zu neuen Erkenntnissen zu kommen. Es ist eher so, dass ein philosophischer Mensch in meinem Sinne durchs Leben geht, aber nicht nur die Dinge an sich sieht, sondern auch das betrachtet, was dahinter steht. Das mag klingen wie etwas außergewöhnliches, ich meine aber etwas ganz triviales, was in jedem Menschen steckt. Ich meine zum damit zum Beispiel, wenn jemand einen Obdachlosen sieht und ihm etwas Geld gibt und sich dann überlebt, dass wenn jeder, der an diesem Obdachlosen vorbeiläuft nur einen minimalen Betrag spenden würde, sehr schnell eine große Summe an Almosen zusammenkäme. Oder auch, wenn sich jemand fragt, ob ihm sein Job eigentlich Spaß macht, und sich überlegt, was überhaupt die Dinge sind, die ihm Spaß machen.

Ich würde behaupten, dass Philosophisch-Sein kein schwarz-weiß Begriff ist. Man ist nicht entweder philosophisch oder unphilosophisch. Jede Art von Refklektion, über sich, über die Menschen, die Gesellschaft die Welt oder was auch immer, ist in gewissem Sinne philosophisch, da sie ein „was wäre, wenn…“ beinhaltet. Philosophisch-Sein ist also ein gradueller Begriff und der Grad des Philosophisch-Seins ist quasi, wie krass man dieses „was wäre, wenn…“ denkt. Jeder Mensch reflektiert z.B. über seine Situation: „Was wäre, wenn ich jetzt nicht aufstehe sondern mich nochmal im Bett umdrehe?“ – ein diesem Sinne ein philosophischer Gedanke. Manche Menschen reflektieren aber noch mehr als nur ihre Situation, sondern sie stellen gleich ganze Strukturen, Lebensweisen, Normen, physikalischen Gestze etc. in Frage, und demnach würde ich sie als mehr philosophisch als andere bezeichnen.

Die sekundäre Lebensdimension

Und dieses „mehr philosophisch sein“ bezeichne ich, als die sekundäre Lebensdimension. Was meine ich damit? Nun ich denke Menschen sind vieles, aber vor allem auch faul. Der Ottonormalverbraucher treibt also durchs Leben, kauft die Lebensmittel, die am günstigsten und am besten greifbar sind, er kauft die ersten Klamotten, die ihm gefallen und den Fernseher, der am besten in sein Wohnzimmer passt. Ich will niemanden angreifen, der das tut. Wir alle tun Dinge, die für uns einfach sind. Aber ich glaube, dass hinter vielen Dinge weitreichendere Konsequenzen stecken, denen man sich nicht immer bewusst ist. So ist der Kauf von sämtlichen Konsumgütern immer eine Beeinflussung des Marktes. Ich kaufe nicht nur günstige Lebensmittel, ich unterstütze damit Lebensmittelanbieter, die günstige Lebensmittel produzieren. Dasselbe gilt für Kleidung und alle anderen Kaufentscheidung, die immer ökonomische Auswirkungen haben. Aber dasselbe gilt auch für Handlungen. Ob ich meinem Partner fremdgehe oder nicht, ist zwar eine Sache zwischen uns zweien, aber ich entscheide mich in gewisser Weise für zwei Werte, die ich in der Gesellschaft verbreite. Verbreite ich Treue und Vertrauen oder Untreue und Opportunismus? Mit meiner Handlungsentscheidung beeinflusse ich die Art wie mein Partner andere Menschen wahrnimmt. Wenn ich ihn enttäusche, wird er vielleicht auch von anderen Menschen annehmen, dass sie ihn enttäuschen. Und wenn mein Partner neue Menschen kennenlernt und er ihnen prinzipiell misstraut, werden sie es merken und auch davon beeinflusst werden. Und auch all die Menschen die davon hören, ob ich fremdgehe (oder auch falls nicht), nehmen das auf und es beeinflusst ihre Sicht der Dinge.

Man kann sagen, dass dieser Einfluss minimal ist. Aber wie ich gerade versucht habe zu zeigen, ist die Anzahl der Menschen, die eine solche Entscheidung mitbekommen nicht zu unterschätzen. Und auch wenn der jeweilige Einfluss minimal ist, so ist über mein Leben gerechnet die Summe meiner Einflüsse doch sehr groß. Hinzukommt, dass ich nie der einzige bin, der sich für einen gewissen Wert entscheidet. Millionen von Menschen tun das jede Sekunde, und wenn sich jeder für Treue entscheidet, ist der Einfluss auf die Welt enorm.

Wenn einem dieser Punkt klar geworden ist, ist hoffentlich auch verständlich geworden, was ich mit sekundärer Lebensdimension meine – nämlich sich genau diese Gedanken zu machen und zu erkennen, was hinter meinen Handlungen und Konsumentscheidungen steht. Die sekundäre Lebensdimension zu sehen, heißt, die Dinge nicht für sich zu betrachten, sondern sie mit allen anderen Dingen verbunden zu sehen, mit denen sie in Wechselwirkung stehen. Ich überlege mir „was wäre, wenn …“ ich das jetzt kaufe, was wenn ich es nicht kaufe. Was, wenn ich jetzt fremdgehe, was wenn nicht. Was wäre, wenn jeder Mensch ein bisschen mehr altruistisch wäre? Was wäre, wenn sich in Europa nicht der Kapitalismus durchgestzt hätte? Was wäre, wenn Europa damals nicht die halbe Welt kolonialisiert hätte?

Philosophisch-Sein und die zweite Lebensdimension zu sehen, heißt also die Welt abstrakter zu sehen, als sie sich uns zeigt. Es heißt über den Tellerrand zu schauen, Konsequenzen und größere Zusammenhänge zu sehen und vorhandene Denkmuster infrage zu stellen. Vor allem letzteres ist das, was ich damit meinte, die Welt mit den Augen eines Kindes zu betrachten.

So singt es übrigens auch  Peter Maffay in „Ich wollte nie erwachsen sein“ aus „Tabaluga“ 😉

 

 

Über mich

Zu Beginn möchte ich mich selbst kurz vorstellen und kurz umreißen, um was es in diesem Blog gehen soll.

Ich heiße Konsti, bin 20 Jahre alt und liebe es über Gott und die Welt zu philosophieren. Ich bin Informatikstudent, ein kleiner Perfektionist und habe ein gewisses Fable für Fremdwörter.

Philosophieren verstehe ich als das Nachdenken darüber „wie die Dinge seien könnten, wenn sie nicht so wären wie sie sind“. Also als hinter die Kulissen blicken, die Dinge mit den Augen eines Kindes zu sehen und sich zu fragen, warum all die Sachen in dieser Welt eigentlich so sind, wie sie sind, wie es dazu gekommen ist und ob es gut ist, wie es gerade ist.

Ich habe diesen Blog erstellt, um die Gedanken, die mir im täglichen Leben durch den Kopf gehen, festzuhalten, zu konservieren, zu ordnen und – falls sich jemand dafür interessiert – zu teilen. In gewisser Weise möchte ich mich mit diesem Blog dazu verpflichten meine Gedanken auch mal niederzuschreiben und hoffentlich eines Tages zu einem konsistentes Gesamtbild zusammenzuführen.

Ich hoffe dass ihr Spaß beim Lesen habt und freue mich über Kommentare, Kritik, Anregungen und Ideen 🙂

Euer Konsti

Lieber Blog

Lieber Blog,

nachdem du jetzt ein Jahr lang auf irgendeinem Server herumgelegen hast, ist die Zeit gekommen Worten Taten folgen zu lassen, und diesen Haufen verstaubter Bits und Bytes zum Leben zu erwecken.

Also viel Spaß bei dem was folgt!